Projekttagebuch: Teil 1

zum 2. Teil



Tag 1 – Servus und Hallo
12. Mai 2011, Steinberg, Görlitz Biesnitz

Alte Bekannte
Der Himmel verdunkelt sich. Ein elektrisches Knistern liegt in der Luft. Wind rauscht durch schwere, grüne Blätter. In der Stimmung dieses aufziehenden Frühlingsgewitters trafen sich in den späten Nachmittagsstunden, am 12. Mai des Jahres 2011, zwölf Menschen mitten im Wald: Zehn von ihnen – Grundschulkinder - hergebeten, sich auf ein unbekanntes Abenteuer einzulassen. Die anderen beiden – Walter und ich, Kindergärter a.D. – ihren ehemaligen Schützlingen ein Angebot zu unterbreiten, dass sie nicht würden ablehnen können.
Damit sich die Kinder vorstellen konnten, worauf sie sich einlassen würden, skizzierten wir ihnen unsere Vorhaben:
  • eine neue Sage kreieren
  • diese Sage in ein Schauspiel verwandeln
  • dieses Schauspiel verfilmen und vertonen

Am Ende soll ein Kurzfilm über eine neue schlesische Sage stehen, an welchem unsere Kinder in allen Entwicklungsschritten beteiligt waren.
Nachdem dies mit etwas mehr (einladenden) Worten vorgetragen war, signalisierten die Kinder mit Kopfnicken ihre Bereitschaft, sich mit uns in dieses Abenteuer zu stürzen. Eine Konfettipistole gab den Startschuss der Unternehmung.



Jetzt mal auf Anfang
„Habt ihr in der Schule schon Sagen durchgenommen?“ Mit verleierten Augen: „Klaro!“ Worauf wir es dann genauer wissen wollten und uns Kim, Friedrich und Alina prompt eine Sage aus dem Stehgreif nacherzählen konnten. Anhand ihrer Erzählungen konnten wir sehr gut ein paar Sagenelemente herausmeißeln. Alle waren knapp, bestanden aus Dichtung und Wahrheit, hatten keinen bekannten Urheber dafür aber einen regionalen Bezug. So kurz, so leicht – das bekommen wir auch hin.

Hasta la vista
Werfen wir doch mal einen Blick nach vorn. Wie soll denn unser Film unbedingt sein?
„Cool“, „Witzig!“, „Spannend! Und ein bisschen gruselig.“
Dass sind die vier Parameter, auf die sich alle einigen konnten und welche unseren Film ausmachen sollen. An ihren eigenen Lieblingsstreifen erklärten sie kurz, was sie unter diesen Begriffen verstehen. Dabei wurde kurzerhand eine kleine Digitalkamera ins Projekt implementiert, mit welcher die Kinder von nun an das Geschehen selbst in Film und Bild festhalten können.

Zur falschen Zeit am falschen Ort
So, lange genug herumgesessen! An einem im Wald versteckten Hüttchen wollten wir das letzte Wort zum theoretischen Unterbau verlieren: Sagen – Warum eigentlich?

Dazu wurden die Kinder aufgefordert, bei einem kleinen, improvisierten Theaterstück mitzuspielen. Es handelte von einem reichen Kaufmann, welcher aus einem Gasthaus torkelnd sich im nahen Forst Erleichterung verschaffen wollte. Dazu stellte er seinen Goldsack an eine Eiche und indisponierte. Eine Mutter fand mit ihrer Tochter das Säckchen, konnte ihr Glück nicht fassen und rief zur Sicherheit in den Wald: „Wem gehört dieses Säckchen?“ „Mir!“ rief der Kaufmann zurück, was aber, angesichts seiner Betrunkenheit wie „Dir!“ klang. Da der Kaufmann immer noch hinterm Baum stand, hielten die Beiden das Säckchen für ein Geschenk eines guten Waldgeistes und zogen von dannen. So kehrte der Kaufmann nicht nur um den Inhalt seiner Blase erleichtert nach Hause zurück. Daheim angelangt, erzählte die Mutter dem Vater was ihnen im Walde widerfahren. Sie teilten den Schatz untereinander, worauf der Mann mit seinem Teil ins Wirtshaus ging, die Geschichte vom Waldgeist zu verbreiten. Worauf wiederum alle Zuhörer sich auf die Suche nach der ominösen Eiche machten. Von da an ging die Sage vom freundlichen Waldgeist um, dessen Eiche jedoch nie wieder gefunden werden konnte.

Die Kinder spielten famos und bekamen dabei den eigentlichen Grund der Sagenentstehung mit. Die Menschen erklären sich sonderbare Geschehnisse, welche sie nicht mit dem Verstand fassen können, als phantastische Geschicke, welche rätselhaft bleiben müssen und dem Glauben bedürfen (übrigens bis heute: „Urbaner Mythos“).

Feuchte Ohren
Das Gewitter klopfte noch einmal mit ein paar Tropfen an, als wolle es uns sagen, wir müssten uns beeilen. Also suchten wir die Schutzhütte des Waldkindergartens auf, um in der dunklen Gemütlichkeit den Projekttag zu beschließen. Mit einem altbekannten Spiel verdeutlichten wir, dass solch eine Sage den natürlichen Veränderungsprozessen der mündlichen Überlieferung unterliegt. Im Stille-Post-Prinzip flüsterten sich die Kinder eine Sage über die Entstehung der Landeskrone in die Ohren. Das Ergebnis war durchaus aussagekräftig.



Zum Abschluss gab es noch zwei Gruselsagen aus dem Harz und eine Hausaufgabe: Macht euch bis zum nächsten mal Gedanken, über eine eigene Sage!
(a)


Tag 2 – Na dann, erzähl mal
19. Mai 2011, Silbersee, Görlitz Biesnitz

Wo sind die Bretter?
An einem herrlichen Frühsommernachmittag brachen wir auf zum Silbersee, einem Ort, der uns unserem Vorhaben angemessen schien. Das Nordufer, mit hohen Eichen bewachsen, bildet einen natürlichen Rang, der stille See ein fabelhaftes Bühnenbild. Und mehr brauchten wir heute nicht, denn es ging ums Schauspielen, Improvisieren und Erzählen.
Was die Kinder im Kindergarten drauf hatten, wissen wir. Heute konnten wir sicher gehen, dass sie nichts davon verloren haben.



Ich nehme ein H!
Vorerst rekapitulierten wir jedoch das bisherige Geschehen. Es waren auch noch ein paar Details zu klären. Was zum Beispiel die Kinder unter „langweilig“ und „spannend“ verstehen, darüber klären die angehängten Sprachmitschnitte auf.
Dann ging es wieder in die Praxis. Allen Kindern war unser „Erzählkönig-Prinzip“ noch bekannt. Dabei sucht sich ein Kind (Erzählkönig) drei Kinder aus, welche ihm dann willkürlich je einen erdachten Begriff zu werfen. Aus jenen hat der Erzählkönig dann eine Geschichte zu formen, aus dem Stehgreif wohlgemerkt. Wir veränderten zwei Dinge. Alle übrigen acht Kinder durften sich einen Begriff ausdenken und hatten diesen dann zu spielen. Jonathan übernahm dabei heute den Posten des Kameramanns.
Alles unter einen Hut zu bringen, dauert natürlich seine Zeit (die heute ruckzuck um war), weshalb sich nur Kim und Franz eine Geschichte ausdenken konnten. Wir hatten jedenfalls viel Spaß dabei.



Ik wuil Drama in die Augen
Nach diesem relativ freien Schauspiel bekamen die Kinder noch eine Aufgabe, nämlich einmal möglichst böse und einmal möglichst blöde dreinzuschauen. Eines von beiden fiel ihnen auf jeden Fall leichter.
Zum Abschluss des heutigen „Theaters“ hatten die Kinder die Aufgabe, Walter zu kopieren. Und dieser stand natürlich nicht einfach nur da wie ein Zinnsoldat. Hier ging es um Beobachtungsschulung und Nachahmung. „Langsam erlebt man, schnell erzählt man“ sagt der Russe und hat Recht dabei. Schließlich zeigte Walter den Kindern noch zwei versprochene Sachen; dass unsere Kamera auch unter Wasser filmen kann, und wie Moritz (der Filmhund) Stöcke aus dem Wasser apportiert. Auf dem Rückweg zum Steinberg gab Walter noch den Erzählkönig und die Kinder spielten im Laufen dazu.
Jetzt haben wir ein klares Ziel für das nächste Treffen! Wir brauchen eine Sage!
(a)




Tag 3 – Der Neisse Stein
23. Mai 2011, Am Steinbruch, Görlitz Biesnitz

Miez! Hong! Toggo!
Bei abermals fabelhaftem Wetter zogen wir heute zum Steinbruch, einer kleinen Naturbühne am Rand des Eichgrubenwaldes, um da anzuknüpfen, wo wir vor vier Tagen aufhören mussten, bei der Entwicklung unserer Sage. Unterwegs pausierten wir im Robinienwald, um unsere Aufmerksamkeit beim Chinesischen Schattenboxen zu schärfen. Dabei bilden alle einen Kreis, in deren Mitte der Ansager steht. Er gibt die Kommandos, welche alle nachsprechen und gleichzeitig eine spezifische Bewegung ausführen. Gar nicht so einfach, aber auf jeden Fall ein großer Spaß, der munter im Kopf macht.

Erfahrungen fürs Leben
Am Steinbruch nahmen wir das Tempo raus und verloren ein paar uns wichtige Worte unter der Überschrift „Gemeinschaft“, die uns alle anrührt. Dazu machten wir eine Übung, welche besonders bei dieser Altersgruppe (7/8 Jahre) hohe Konzentration auf allen Seiten verlangt. Dabei kippt (sehr knapp ausgedrückt) ein Kind, zwischen zwei anderen stehend, vor und zurück, von diesen dabei behutsam aufgenommen und wieder wegbewegt. Wir nahmen uns viel Zeit dafür. Die Kinder waren wirklich bei der Sache und konnten auf ihrem eigenen Weg die abstrakten Begriffe Vertrauen, getragen werden, Aufgehobensein erfahren und zurückgeben.



Regenwürmerfressende Eichhörnchen
Manchmal ist es besser, einfach loszugehen. Die Kinder forderten Walter auf, heute den Erzählkönig zu geben. Er ließ sich überreden und von jedem einen Begriff zuwerfen, aus welchen er schließlich ein kleines Theaterstück zu improvisieren suchte. Die Kinder durften natürlich gleich mitspielen.
Gegeben wurde das Stück von einem nach Edelsteinen grabenden Zwerg, dem das Glück abhold wurde, worauf er sich mit seinem Pony zu einer verwunschenen Höhle aufmachte. Hier sollte es laut Volksglauben spuken, aber auch von Edelsteinen nur so wimmeln. Der Zwerg nahm sich ein Herz, betrat die Höhle und fand sie tatsächlich voller Drachen und Werwölfen. Allerdings waren das nur Steine, die sich im fahlen Licht der Grubenlampe zu bewegen schienen. Tief in der Höhle fand er einen funkelnden Stein. Da er aber Durst hatte, wünscht er sich Wasser. Und seine leere Wasserflasche füllte sich, dass sie überlief. Der gefundene Stein war also ein Zauberstein. Woran der Zwerg dachte, das ging in Erfüllung. So dachte er an ein regenwürmerfressendes Eichhörnchen, und schon war es da. Nun kam er auf den Gedanken, die Ungeheuer aus Stein mögen sich beleben, und als sie es taten, fiel dem Zwerg der Stein vor Schreck aus der Hand. Er konnte ihn nicht wieder finden. Das Wasser aber floss stetig und bildete irgendwann einen Fluss, der heute Neiße heißt. So, oder so ähnlich ging das Stück, welches die Kinder mit viel Spaß lebendig machten. „Hey, das ist ja schon eine richtige Sage!“, rief es Alina als erste aus.



Meißeln und Polieren
Danach versuchten erst Tristan, dann Kim (anknüpfen an das Stille-Post-Prinzip) diese Sage nachzuerzählen. Vorher überlegten wir uns, was wir vielleicht noch ändern sollten, damit es eine richtig echte falsche Sage werden würde. Beide erfüllten ihre Aufgabe mit Bravour, so dass wir – am Ende unsere Zeit angekommen – heute mit unserer Sage nach Hause gingen.

Zum Abschluss interviewten sich die Kinder noch gegenseitig, was sie selbst mit solch einem Zauberstein machen würden. Dann traten wir den Rückweg zum Steinberg an, wo die Eltern uns schon erwarteten.
(a)


Tag 4 – Theater, Theater
06. Juni 2011, Theater Görlitz

Vor dem Theater warteten die Kinder quirlig und lebendig und nicht ganz leise. Dann ging es hinein ins Görlitzer Theater und die Kinder folgten konzentriert und aufmerksam Herrn Archner. Der zeigte uns zunächst den Zuschauerraum. Da gab es viel zu entdecken. Und alle waren ja bereits schon mal im Theater gewesen. Über unseren Köpfen bewunderten wir die Porträts berühmter Künstler, wie Goethe, Schiller oder Mozart. Von manchen hatten die Kinder auch schon gehört. Mit Interesse folgten wir den Worten Herrn Archners, der uns viel zu erzählen hatte.



Nun durften wir die Bühne betreten. Ein ganz anderer Eindruck, wenn man von dort in den Zuschauerraum schaut. Haufenweise Scheinwerfer und Technik. Hier wurde uns klar, wie bei einem Theaterstück so schnell das Bühnenbild verändert werden kann: Die Bühnenbilder hängen an Zugstangen, die schnell nach oben bzw. nach unten gezogen werden können.
„Sonst müssten die ja immer erst alles raustragen und wieder rein, das würde ja ewig dauern“, stellte Kim fest. Recht hat sie. Dann noch einen Blick in den Raum der Requisite, in dem sich allerhand Krimskrams bis unter die Decke stapelt. Und einen Blick in die Maske, wo wir erfuhren, wie aufwändig die Perückenherstellung vonstatten geht.
Auf der Bühne begann unterdessen eine Probe für das Sommertheater. Leise, um nicht zu stören, nahmen wir unsere Sachen, lauschten noch kurz, verabschiedeten uns von Herrn Archner und verließen das Haus.'



Ricarda führte uns nun über die Straße zu den anderen Abteilungen des Theaters. Wir schauten kurz in die Kostümabteilung hinein. Dort konnten wir schon ein paar Kostüme für das Sommertheater sehen. Ansonsten füllte sich der Raum mit Nähmaschinen, Bügeleisen und Kisten über Kisten.
Ganz oben im Gebäude öffnete uns Ricarda den Probenraum. Hier hatten wir noch etwas Zeit, um an unserer Sage weiter zu arbeiten. Tabea zeigte uns ihr Bild, das sie gemalt hatte. Der rote Neißestein, das Gebirge und die entstehende Neiße. Das war die Hausaufgabe für die Kinder: Bilder zur Sage malen. Und wir brauchen noch mehr dieser Bilder. Wofür?

Jetzt kommt’s: Wir filmen die Bilder und machen eine Art Zeichentrickfilm der Sage! Aber nicht nur. Davor und danach wird natürlich mit echten Menschen gedreht.
So könnte z.B. ein Kind beim Besuch der Bibliothek zufällig auf ein altes Dokument stoßen, auf dem die Sage beschrieben ist. Diese wird dann im Zeichentrickfilm erzählt und dann...
mehr wird erst mal nicht verraten.

Doch was ist ein Film ohne Musik? Die passende Filmmusik macht lustige Stellen erst richtig lustig oder unheimliche Stellen erst wirklich gruselig. Oder wie merkwürdig wäre es, wenn bei einer traurigen Stelle im Film lustige Musik erklingen würde? Mit dem Flügel im Probenraum konnten wir die verschiedenen Stimmungen nachempfinden. Wir überlegten, was für Musik zu unserer Sage passen würde. Dazu improvisierte Walter auf dem Flügel verschiedene Motive. Zum funkelnden Neißestein passten am besten ganz hohe Töne und bei der spannenden Stelle, wo der Bergmann sich erschrak machten sich polternde Tiefe Töne am besten.



Dass man im Film zaubern kann, wird uns Andreas beim nächsten Mal zeigen. Jonathan filmte, wie Tristan Andreas wegzaubert. Er war natürlich noch da. Aber wie wird das aussehen, wenn Andreas am Computer den Zauberkünsten Tristans etwas nachhelfen wird? Wir dürfen gespannt sein auf das nächste Treffen!
(w)



Tag 5 – Wünsch dir was und Storyboard
16. Juni 2011, Steinhaus, Görlitz

Am Steinberg trafen wir uns. Franz, der beim letzten Treffen im Theater nicht dabei sein konnte, wurde nun von den anderen auf den neuesten Stand gebracht. Noch eine kleine Runde Schattenboxen a la Hong! Togo! Miez! als warming up für alle und dann verließen wir den Wald und begaben uns ins Steinhaus.



Auch dieser Ort weckte bei den Kindern alte Erinnerungen aus der Kindergartenzeit. Hier hatten sie viel Zeit in drei oder vier Wintern ihres Lebens verbracht. Sentimentalität – keine Spur.
Am Computerbildschirm zeigte uns Andreas die bearbeitete Version vom letzten Treffen: Tristan zaubert Andreas weg. Zack! Und tatsächlich, es sieht aus, als hätte Tristan wirklich gezaubert!

Aber auch die Kinder hatten seit dem letzten Treffen etwas getan. Alle hatten ihre Zeichnungen und Bilder dabei, die wir uns nun genauer betrachten konnten. Die Bilder werden den Mittelteil unseres Filmes ausmachen. Mit Musik und Text zusammen werden sie die Sage vom Neißestein erzählen. Beginnen wird der Film mit echten Menschen, dann die Sage in Bildern, der Schluss wieder mit echten Menschen, aber wie könnte das aussehen?



Hierzu eine entscheidende Frage: Was würdest du dir wünschen, wenn du den Stein der Neiße hättest? Wünsche hat schließlich jeder und im Film könnten wir so manches wahr machen. Egal, ob ein Pferd oder bessere Zeugnisnoten – die Computertrickkiste macht es möglich.

Und so geht der Film weiter, nachdem das Kind die Sage gefunden hat:
Das Kind erzählt seinen Freunden von der Sage und jedem fällt sofort etwas ein, was er sich wünschen würde, hätte er den Stein der Neiße. Und all das wird im Film zu sehen sein. Eine verschworene Gemeinschaft ist entstanden. Doch sie wurden belauscht und somit weiß noch einer mehr vom Stein. Sie beschließen den Stein zu suchen. Dabei finden sie zunächst ganz andere Sachen, erleben lustige und gruselige Dinge. Bis schließlich einer den roten Stein in den Händen hält.

Jetzt geht die Arbeit los. Wir haben die Sage, wir haben die Filmidee, wir haben die Schauspieler. Doch etwas fehlt: Das Drehbuch! Hier steht alles drin, was nachher im Film zu sehen ist. Die vereinfachte Variante ist das „Storyboard“, die zeichnerische Version eines Drehbuchs. Mit kleinen Zeichnungen werden die einzelnen Filmsequenzen dargestellt. Also los! Jeder bekam ein leeres Blatt und was nicht fertig wurde kann zuhause vollendet werden, denn beim nächsten Treffen soll gedreht werden!
(w)






Tag 6 – Der erste Drehtag
27. Juni 2011, An der Eiche, Görlitz

Wir trafen uns am Steinberg, um dann sofort zur großen Eiche auf dem Feld zu gehen. Fabelhaft, dass alle Kinder heute da sein konnten. Außerdem begrüßten wir noch einen Gaststar: Lina, die die kleine Schwester von Tjard spielen wird.
Und dann ging es gleich zur Sache, denn wir hatten ein großes Pensum vor uns. Andreas hatte ein Seil an der Eiche befestigt, damit er auch von oben filmen konnte.



Nun lief alles nach Drehbuch: Die Kinder auf die entsprechenden Positionen und Jonathan (unser zweiter Kameramann) bekam die Aufgabe, den Drehtag mit einer zweiten Kamera festzuhalten. 

Kleiner Auszug des Vierseitigen Drehbuchs für heute:
  • NEUE EINSTELLUNG. Ext.
    Kamera fährt sich langsam drehend zurück aus einer Nahaufnahme eines alten Dokumentes. Man sieht, dass es auf grasigem Untergrund liegt, dann, dass Kinder im Halbkreis darum sitzen, ein einzelnes Kind ihnen Gegenüber.

    NEUE EINSTELLUNG. Nahaufnahme
    Tristan (der „Verschwörer“):
    Leuchtende Augen, in freudiger Erregung.
    Ist euch klar was das bedeutet?

    NEUE EINSTELLUNG. Friedrich, in der Mitte zweier anderer sitzend, die Arme verschränkt, guckt kurz zur Seite, wie um sich der Meinung eines Anderen zu vergewissernd
    Friedrich: Sicher, du hast das Pergament einfach aus der Bibliothek geklaut.

    NEUE EINSTELLUNG. Ganzkörperaufnahme
    Tristan:
    (Langsam) Ich hab es ...
    Blickt nach unten

    NEUE EINSTELLUNG. Int., Bibo, (Szene wird später gedreht)
    Tristan (Oberkörperaufnahme) steckt das zusammen gerollte Dokument sich über die Schulter schauend oben ins T-Shirt. Über seine Schulter sieht man seiner Mutter mit der Bibliothekarin sprechen.

    NEUE EINSTELLUNG. Ext., wie oben
    Tristan blickt zurück.
    ... ausgeliehen.
    Dabei zieht er eine Augenbraue hoch, beugt sich minimal (verschwörerisch) nach vorn.

So gingen wir alle Kameraeinstellungen durch. Und nun machten die Kinder die für den Film typische Erfahrung, dass es immer viele „Klappen“ braucht, bis eine Szene endlich im Kasten ist. Manchmal gab es lustige Versprecher, oder der Ton war zu leise, oder... Aber das Gute im Film ist, es gibt immer einen neuen Versuch!

Schwer ist auch die einfache Regieanweisung, nicht in die Kamera zu schauen. Das ist nämlich nicht so leicht wie man denkt.

Nach schließlich zweieinhalb Stunden war es so weit. Fertig! Die Kinder haben höchste Geduld bewiesen. Es war ein schweres Stück Arbeit, aber wir waren alle zufrieden und glücklich mit dem Ergebnis. Zwei Stunden Filmmaterial, ein ungeheurer Datenberg, warten darauf geschnitten zu werden.
(w)