Freitag, 11. September 2009
Wochenthema: "Spät-Sommer-Kräuter"

Wie bereits im Frühling war ich nun eine Woche im Waki zum Thema Spät-Sommer-Kräuter. Und gerne berichte ich Euch ein bisschen:


Montag - Johanniskraut

Als ich mit meinem Körbchen zum Morgenkreis kam, erinnerten sich einige Kinder, z. B. Franz, Till Arvid, Tjard gleich an die Kräuterwoche im Frühling und berichteten den jüngeren Kindern, was wir damals so alles gemacht hatten. Kräuterquark und Suppe und Tee... Bald wollten alle wissen, was ich diesmal in meinem Körbchen hätte.

Ich berichtete den Kindern von einer alten Kräuterfrau, die ich eines Morgens am Steinberg getroffen hatte, und von der ich ein besonderes Kräuterbündel geschenkt bekommen hatte.
Ganz still und leise war es gesammelt worden, damit die Kräuter besser wirken.

Ich erzählte den Kindern, dass ich an jenem Morgen etwas traurig war, und die alte Frau gleich ein Kräutlein für mich aus ihrem Kräuterbuschen zog: Ein Kraut gegen Traurigkeit: Das Johanniskraut.
Ein ganzes Bund davon war in meinem Korb und Mailin verteilte das Kraut an die Kinder.

Die Blüten sahen aus wie kleine Sonnen, die mit ihren Fühlern die Sonnenstrahlen einsammeln. Von der alten Kräuterfrau hatte ich erfahren, dass das Kraut ist so gut ist, dass der Teufel es eins mit seinen Krallen durchstach, weil er sich so darüber ärgerte.

Tatsächlich fanden die Kinder überall in den Blüten und Blättern kleine Punkte, was Tjard sehr begeisterte. Aber es kam noch geheimnisvoller: wir rieben die Blütenblätter zwischen den Fingern und bekamen blutrote Finger. Dadurch konnten wir erahnen, dass das Kraut auch bei Wunden und Verbrennungen hilft – was Belinda uns aus eigener Erfahrung bestätigen konnte. Zu diesem Zweck hatte ich von der alten Frau ein blutrotes Johanniskraut-Öl geschenkt bekommen, was wir auch gleich selbst herstellten. Paul hielt das Gläschen, in das alle Kinder ihre Blüten gezupft hatten, und Ida goß das Sonnenblumen-Öl dazu. Georg bekam dann den Auftrag, gut darauf aufzupassen, es in die Sonne zu stellen und ab und zu zu schütteln.




Dienstag - Schafgarbe

Am Dienstag fanden wir unter dem Tuch im Körbchen die Schafgarbe, die einige Kinder schon von den Frühlingskräutern kannten, wo wir das gewiegte Kraut in Quark und Suppe streuten.
Ich erzählte den Kindern wieder von der Alten Frau, welche mir von verletzten Kriegern und Zimmersleuten erzählte, die das Kraut schätzten, auch von der Liebesgöttin Venus und ihrer Augenbraue und daß rosa Schafgarben-Blüten bei Mädchen besser wirkten.
Die Kinder schauten und rochen, hielten sich die Blättchen an die Brauen und erfuhren, dass die Schafgarbe bei Verletzungen und Bauchweh wirkt und verdauungsfördernd ist.

Danach legten alle ihre Kräuter in die Kanne und wir bereiteten einen bittren, aber gesunden Tee fürs Frühstück vor. Ob es nun eigentlich Schafgarbe oder Scharfgarbe heiße, weil die Blättchen so scharf seien, fragten die Kinder. Das sollten sie erst nach dem Frühstück erfahren, aber Till Arvid verriet schon mal so viel, dass die Schafe es gefressen hätten und gesund geworden seien.

Nach dem Frühstück verkündete Tjard, dass der Schafgarbentee viel besser als der Brennnesseltee vom Frühjahr schmecke. (Und der hatte ihm schon geschmeckt...)

Der gute Hund Moritz bellte beim Erklingen der Klangschale und die Kinder lauschten dem Märchen von der Schafgarbe. Danach wussten sie, woher der Name stammt, und klebten und malten kleine Schäfchen mit Schafgarbe und andere Figuren aus dem Märchen.

Zum Mittags-Kreis konnte die Geschichte mit den Bildern der Kinder nacherzählt werden und natürlich erkannten alle ihre Bilder wieder.


Mittwoch - Beifuß

Beim Morgenkreis im Astwald erfuhren die Kinder ein weiteres Geheimnis der Alten Frau: Schon die Urmenschen begruben vor 60.000 Jahren ihre Toten auf Beifuß – dem Mittwochs-Kraut. Diesmal verteilte Franz das Kräutlein. Alle rätselten über die Farbe.

Leifs Kraut hatte einen roten Stengel, ein anderer grün, Dominiks war weiß.
Ja, so alt ist der Beifuß schon, dass er schon ganz grau geworden ist.

Wanderer legten das Kraut in die Schuhe, wusste Till Arvid aus eigener Erfahrung zu berichten. Und früher glaubten die Menschen, dass ein Beifußgürtel Kraft verschafft.

Das testeten wir in einem Spiel. Beim Kommando „Lauf geschwind“ steckten sich die müden Wanderer Beifuß in den Schuh und spazierten straffen Schritts los. Beim Kommando „Schließe den Gürtel“ verlieh ihnen der imaginäre Gürtel so viel Zauberkraft, dass sie wie der Wind über den Waldboden rannten.

Nach dem Frühstück versammelten sich die Vorschulkinder Alina, Franz, Jonathan, Till Arvid und Tjard auf einem gemütlichen Birkenstamm, um den Stoff für ihr eigenes Kräutersäckchen zu schneiden, einen Faden einzufädeln und zu nähen.



Tjard und Jonathan begeisterte dies so, dass sie gleich Schneider werden wollten und zu Hause weiter nähen üben wollten. Jeden Nachmittag. Mit Mamas Stoff.

Als Kräuterfüllung warteten bereits getrockneter Beifuß, Lavendel, Kamille, Schafgarbe und Johanniskraut.
Letztendlich haben es alle geschafft und waren sichtlich stolz.

Der Weg vom Astwald zurück war für die Kleinen noch weit. Zur Belohnung gab es ein Beifuß-Fußbad für müde Füße am Steinberg, was die meisten genossen.

Zum Mittagskreis erzählte Walter eine lustige Geschichte von müden Wanderern, die die Überquerung der Landeskrone nur mit Hilfe eines Beifuß-Elixieres schafften.

Den nerven-beruhigenden Tee nach dem Mittag konnten nicht viele Kinder kosten, denn Tjard mochte diesen so sehr, dass er sich großzügig nachgoß und nach dem dritten Becher meinte: Jetzt schlaf ich gleich ein.


Donnerstag - Goldrute

Das Donnerstags-Kraut war so groß, dass es sich nicht im Körbchen verstecken ließ...

An der goldenen Blütenfarbe erkannten die Kinder gleich die Goldrute. Die Stengel waren so hoch, höher als die meisten Kinder, so dass wir damit Riesen-Goldruten-„Mikado“ spielen konnten - wer eins erhaschte konnte sich und die anderen damit messen.

Die Kinder erfuhren von der Einheimischen Goldrute, die recht selten geworden ist, seit die Kanadische Schwester mit dem Schiff hier her kam.

Wie die Alte Frau mir berichtete, wurde die Kanadische Goldrute von Indianern zum Räuchern genutzt für die Rehjagd damit sie nach Rehfuß riechen und die Rehe nicht vor den Jägern erschrecken.

Von der Alten Frau wusste ich auch von einem anderen Geheimnis, denn die Goldrute kann nämlich auch zaubern. Im Körbchen sahen die Kinder dafür noch etwas anderes liegen: ein weißes Seidentuch und weiße Wolle. Das wollten wir verzaubern.
Die Kinder hielten ihre Goldruten-Stengel darauf und sagten ihren alten Zauberspruch: Goldrute, Goldrute, schenke uns Dein Gold!
Plötzlich lagen im Körbchen gold-gelbe Wolle und gold-gelbe Seidentücher. Na so ein Wunder! Wir bedankten uns dafür mit: Goldrute, Goldrute, danke für Dein Gold!
Und ein bisschen ungerecht fanden es die Kinder, dass die goldene Wolle in meinem Körbchen blieb.

Till Arvid bemerkte, dass die Goldrute auch Gold-Farbe in die Natur gezaubert hatte und plötzlich entdeckten viele Kinder überall goldgelbe Blätter in den Bäumen auf dem Weg zur Kastanie.


Freitag - Kräuterbuschen

Am Freitag fragte mich Georg schon auf dem Weg in den Eichgruben-Wald unentwegt: Was ist denn heute wieder im Körbchen?

Beim Morgenkreis sollte dies verraten werden. Zunächst erinnerten wir uns: Jeder Wochentag hatte sein Kraut: Welches war das und Wofür? Das fanden die Kinder sehr schnell heraus.

Und noch etwas war uns an diesem Morgen aufgefallen, Gelb heißt auf Polnisch-zólty (schute gesprochen) und auch im Eichgruben-Wald entdeckten wir: Goldrute färbt „schute“!

Schon am Donnerstag bemerkten einige Kinder, dass der Kräuterbuschen schon getrocknet war. Genau dazu hatte mir die Alte Frau auch etwas berichtet: früher zerrieben die Menschen den getrockneten Strauß und räucherten damit gegen Krankheit und böse Geister. Auch die Indianer machen das so, wie die Kinder ja bereits wussten.

Also probierten wir es gleich aus und vor dem Frühstück räucherten wir mit den Kräutern der Woche.
„Jetzt rieche ich aber nach Lagerfeuer“ meinte ich, nachdem ich allen Kindern ein wenig Rauch zugefächelt hatte.
„Nein, nach Rehfuß“ erwiderte Dominik.
Die Kerze ließen wir in der Mitte stehen, und es wurde ein sehr ruhiger Frühstückskreis.

Georg wurde nun langsam ungeduldig, hatte ich doch angekündigt, dass wir nach dem Frühstück endlich eigene Kräuterbuschen sammeln wollten. So sammelte er derweil schon eine handvoll Hohlzahn.

Vor dem Mittag nutzten einige Kinder noch die Zeit und sammelten Kräuter für ihren Kräuter-Buschen, den sie dann mit der „schute-goldenen“ Wolle zusammenbanden.

Andere Kinder patschten vergnüglich in den Pfützen die durch das ausgelaufene Regenfass entstanden waren. Dominik fand am Feldrand in der Sonne das Glas mit dem Rotöl (Johanniskrautöl) – und es war tatsächlich schon etwas röter geworden!

Zum Mittagskreis erzählte Walter wieder eine lustige Geschichte vom Kräuterbuschen.

Am Nachmittag gab es dann für die anderen Kinder noch die Gelegenheit, ihre Kräuterbuschen zu binden.


Herzliche Grüße von Dörte